Blog am 8. Juni 2022

Leberbildgebung jenseits der Diagnose

Leberbildgebung jenseits der DiagnoseLeberspezifische MRT-Kontrastmittel werden zunehmend für neue Fragestellungen jenseits der Diagnose von Leberläsionen eingesetzt: Dabei geht es um die Charakterisierung und Subklassifizierung fokaler Leberläsionen sowie die Beurteilung von Therapieansprechen und Prognose. Die Leberbildgebung mit leberspezifischen MRT-Kontrastmitteln beinhaltet heute also weit mehr als die Befundung von Läsionen in der hepatobiliären Spätphase als hypo-, iso- oder hyperintens zum übrigen Leberparenchym. Dieser Vortrag diskutiert die aktuelle Evidenz neuer Fragestellungen für die MRT mit leberspezifischem Kontrastmittel.

Charakterisierung fokaler Leberläsionen und Subklassifizierung
Bei nahezu allen fokalen Leberläsionen drängen neue pathologische Subklassifikationen in den Vordergrund. Nachdem mittels leberspezifischem Kontrastmittel ein Zusatznutzen bei der Subklassifizierung von Leberadenomen gezeigt werden konnte, ist abzuwarten, inwiefern sich das Wissen aus diesen Studien auf die Änderungen der revidierten WHO-Klassifikation für hepatobiliäre Tumore übertragen lässt. Als größte Neuerung ist hier die Subklassifizierung von hepatozellulären Karzinomen (HCC) zu sehen, welche nun acht anstatt zuvor nur zwei Subtypen unterscheitet, die sich in ihrer Prognose und Tumorbiologie unterscheiden. Läsionen in der hepatobiliären Spätphase als ausschließlich hypo-, iso- oder hyperintens zu klassifizieren, gehört somit der Vergangenheit an. Vielmehr zeigen die verschiedenen Tumoren und deren Entitäten individuelle Signalverhalten, die womöglich auf ihre Tumorbiologie und jeweilige Prognose schließen lassen. So existieren neben Daten für Adenome und HCCs ebenfalls bereits Hinweise, dass sich intrahepatische cholangiozelluläre Karzinome (iCCC) aufgrund ihres Kontrastmittelverhaltens in der leberspezifischen MRT weiter unterteilen lassen. Darüber hinaus wächst das Interesse an in der Regel aus drei Sequenzen bestehenden MRT-Kurzprotokollen zur Detektion und Charakterisierung von Leberläsionen. Hierbei erreichen Kurzprotokolle mit leberspezifischem Kontrastmittel verhältnismäßig hohe Sensitivitäts- und Spezifitätswerte.

Imaging Biomarker für Therapieansprechen und Prognose
Insbesondere das Abschätzen der Prognose und des Therapieansprechens beim HCC ist Gegenstand intensiver Forschungsaktivitäten aller beteiligten Disziplinen. Einhergehend mit zunehmend individualisierten Behandlungsansätzen ist der Wunsch nach Bildmerkmalen, die zwischen Therapieansprechen und -versagen unterscheiden können, groß. Aktuelle Studien stellen den prognostischen Mehrwert der MRT mit leberspezifischem Kontrastmittel mit vielversprechenden Ergebnissen zur Diskussion. Diese Studien, darunter Studien mittels KI-basierten Ansätzen, liefern erste Daten, dass bildmorphologische Kriterien auf die Aggressivität und  Tumorbiologie schließen lassen, und dass das Therapieansprechen nach transarterieller Chemoembolisation oder Immuntherapie vorausgesagt werden kann. Neben dem HCC befassen sich aktuelle Arbeiten auch mit der KI-basierten Vorhersage des Therapieansprechens von Lebermetastasen neuroendokriner Tumore basierend auf MRT mit leberspezifischem Kontrastmittel.

Abbildung 1: A: Inflammatorisches Adenom; B: Aus einer unklassifizierten Adenomatose maligne transformierte, gut differenzierte HCCs vom nicht näher spezifizierbaren Subtyp (NOS) nach WHO-Klassifikation in ihrer 5. Version; C: HCC vom lymphozytenreichen Subtyp nach WHO; D: Intrahepatisches cholangiozelluläres Karzinom

Melden Sie sich hier zum Industrie-Symposium "Leberbildgebung jenseits der Diagnose" der Firma Bayer Vital GmbH am 18. Juni 2022 um 12:10 an.

Bitte beachten: Die Veranstaltungsteilnahme ist nur im Rahmen der Buchung des digitalen Röntgenkongresses möglich.